IronMan 70.3 in Budapest

August 1, 2016 6:20 pm Veröffentlicht von

Berichte von Kristina Kren und Georg Wessely:

Die eiserne Jungfräulichkeit abgelegt

Welcome Home, Kristina“ – Der wohl schönste Satz, den ich beim Ironman 70.3 in Budapest gehört habe. Aber beginnen wir ganz am Anfang. Eigentlich, ja ganz eigentlich war eine Mitteldistanz gar nicht auf meinem Radar für die heurige Saison. Ziel war es, am Ende der Saison eine olympische Distanz zu schaffen und mich dann vielleicht im nächsten Jahr auf die Mitteldistanz zu wagen. Der Anfang der Saison verlief gut, ich konnte permanent kleine Steigerungen in allen Disziplinen schaffen und war total motiviert. Sprint-Bewerbe, Radrennen, Laufbewerbe, alles verlief gut. Durch das Training mit den Vereinskollegen, die sich auf olympische & Mitteldistanzen vorbereiteten, wurden auch meine Trainingsumfänge größer und die Kondition verbesserte sich.

Die Idee. Ende Juni kam dann die spontane Idee: Ich verzichte auf olympisch und mach gleich einen Ironman. Verrückt? Ja. Genau wie vor zwei Jahren mein Einstieg in die Triathlonszene, der auch auf einer spontanen Idee basierte. Also schnell auf die Ironman-Homepage und anmelden für Budapest, bevor ich es mir noch einmal anders überlege. Nach der Überweisung von 250€ für Nenngebühren macht man dann doch nicht mehr so schnell einen Rückzug…

Die Vorbereitung. Die 4 Wochen Vorbereitungszeit waren sehr intensiv, täglich 1-2 Trainingseinheiten neben Vollzeitjob und irgendwie einem Haushalt und vielleicht noch einem Bruchteil Sozialleben waren nicht immer einfach. Aber ich wusste, was das Ziel war und wollte es um beinahe jeden Preis. Das primäre Ziel war die Ziellinie zu erreichen, das wirklich wahre Ziel war eine Zeit unter 07.00 Stunden.

Der Vortag. Bereits die Tage vor dem Rennen verrieten: Das wird ein sehr heißes Rennen auf dem ungarischen Asphalt. Wenig Schatten, direkte Sonneneinstrahlung und geschätzt 1700 Mitstreiter, die rundherum mit dir schwitzen und leiden werden. Freud und Leid, Angst, Bedenken, Nervosität. Ein Gefühlschaos. Hab ich genug trainiert? Hab ich genug getapert? Hätte ich besser essen sollen? Was mache ich bei Bauchkrämpfen, Muskelkrämpfen oder ich einfach nicht mehr kann? Gedanken und Fragen, die ich nicht loswerde und beantworten kann. Die Nacht vor dem Wettkampf war sehr unruhig, wenig geschlafen und wild geträumt, Kopfweh. Nicht die besten Voraussetzungen dachte ich mir. Dank der humanen Startzeit um 09:00 Uhr hatte ich noch ein wenig Zeit für ein kurzes Frühstück und den Weg zurück ins Leben zu finden – in Form von Weißbrot, Apfelsaft und einer halben Banane.

Die Arena. Bereits früh morgens war es sehr heiß, der Himmel strahlend blau und viele gut gelaunte Leute – Athleten, Begleiter, Helfer; alle hier für den Ironman 70.3 Budapest. Ich ging nochmal in die Wechselzone zu meinem Bike, kurze Kontrolle, dann nochmal die Wechselsackerl kontrollieren, Position merken, alles im Kopf durchspielen. Ein Blick über die fußballfeldgroße Zone voller Räder und Material, konzentrierter Athleten, die noch die letzten Vorbereitungen treffen: jetzt wird es Ernst und die Nervosität steigt.

Der Schwimmstart. Eine halbe Stunde vor Start hatten wir die Möglichkeit, noch einzuschwimmen vor dem Bewerb. Ab in den Neo und rein ins Wasser zum Abkühlen, Bewegen, Akklimatisieren, Wassergefühl. Dann der Appell vom Stadionsprecher, alle Athleten mögen sich in ihre Startbereiche (gegliedert nach erwarteter Schwimmzeit) begeben. Die Nervosität steigt ins Unendliche. Dann geht alles ganz schnell. Alle 4 Sekunden werden 8 Athleten ins Wasser gelassen. Zack, zack, zack, dann bin ich drin, ab ins Wasser, Laufen, die ersten Züge und die Schlacht beginnt. Kopf unter Wasser, vorne ein paar langsame, hinter mit einige schneller Schwimmer. Kühlen Kopf bewahren, keine Panik, versuchen zu schwimmen und ober Wasser zu bleiben. Ich werde gezogen, gestoßen, bekomme Ellbogen ins Gesicht. Ich möchte aufhören, raus aus der Masse, wieder atmen, einfach schwimmen. Nach ca. 500 Metern lichtet sich dann das Feld etwas und man kann wieder von flüssigem Schwimmen sprechen.

Das Rennen. Nach etwa 44 Minuten war der Kampf im Wasser vorbei und ich heilfroh, das war alles andere als schön. Schnell in die Wechselzone, Wechselsackerl anpeilen, ins Zelt zur Umkleide, alles wieder einpacken und ab aufs Rad. Das Biken, 90km entlang des Budapester Donauufers, vorbei an den schönsten Bauwerken – der schönste und entspannteste Streckenabschnitt. Ich und mein Rennrad, gut serviciert, vorbei an einigen Triathlonmaschinen – es macht wieder Spaß und ich bin mit Ehrgeiz zurück im Rennen. So schön es war, schnell wars vorbei. Wieder Wechselzone, spiegelverkehrt, umziehen, anziehen und ab auf die Laufschrecke, 4 ‚Runden á 5km, der von mir gefürchtetste Teil. Die ersten zwei Runden, erstaunlich frisch in den Beinen, hänge ich mich an eine britische Läuferin und ziehe mit. Am Ende der zweiten Runde meldet sich dann der Magen und ich merke, ich kann das Tempo nicht mehr halten. Ich überlege kurz und beschließe bei jeder Verpflegungsstation Gel + Cola zu nehmen und Tempo etwas zu drosseln. Der Plan geht auf. Mittlerweile ist es früher Nachmittag, die Sonne brennt auf den Asphalt bei 32°C und kaum Schatten. Ich sehe Athleten an der Strecke liegen, gehen, aufgeben, vor Schmerzen stöhnen. Ich beginne innerlich mit mir selbst zu reden, zu fokussieren, mich von Sichtpunkt zu Sichtpunkt zu hanteln. Halte durch, bald ist es geschafft.

Das Ziel. Nach 4 Runden endlich der rote Teppich und der Zielbogen in greifbarer Nähe. Die Uhr hatte sich schon beim Schwimmen selbstständig gemacht, somit keine Ahnung welche Zeit ich anpeilte. Die letzte Energie noch einmal bündeln und mit einem Sprint ins Ziel. Die erlösenden Worte im Ziel: „Welcome Home, Kristina“. Danach bahnen sich Erschöpfung, Freude und Erleichterung ihren eigenen Weg mit Tränen und Umarmungen. Die Zeit am Zielbogen war für mich unglaublich: 06.04 Std.

Das Fazit. Trotz einer sehr turbulenten Schwimmpartie war es ein durchaus gelungener Event. Die Organisation und Helfer waren top, die Strecke wirklich schön und für einen 1. Ironman sehr gut geeignet. Ich möchte auf jeden Fall nächstes Jahr wieder nach Budapest und die heurige Zeit unterbieten!

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RENNBERICHT VON GEORG:

Ironman Budapest 70.3 – it had been a blast! 

…oder, es steht ein Paar Flip-Flops in Budapest.

Am Samstag, den 30.07.2016 fand der Ironman 70.3 in Budapest statt. Bei Außentemperaturen von über 33^C und drückender Schwüle genährt vom mehr schlechten als rechten, mit Schlaglöchern und Fahrbahnrissen gesäten Straßenasphalt in Budapest, starten um 09.03 Uhr die Pros, und um 09.07 Uhr die erste Startwelle der Age Grouper in den international stark besetzten Triathlon.

Nach einigen Positionskämpfen und Schlägen auf Haupt, Haar, Beine und Schwimmbrille neutralisiert sich das Feld nach der ersten Richtungsboje und das Schwimmen beginnt von Neuem. Nach 1.900m und einigen kräftigen Kraulzügen später wird der feine Sandstrand des Donauufers (Nebenarm) wieder erreicht und es geht einen gut ausgelegten Weg den Hügel hinauf in die Transition Zone I zum Rad.

In der Früh noch einmal den Reifendruck optimiert, um Reifenschäden ob der Hitze und Schlaglöcher zu vermeiden, schwingt man sich beherzt aufs Wettkampfgerät und holpert vorsichtig bis zur 2. Donaubrücke. Ab dann beginnt das Rennen neu, denn der Asphalt wird besser und einige Athleten mit hochgezüchteten Speed-Maschinen und Scheibenrädern stehen bereits am Straßenrand und hantieren hastig an ihren Schlauchreifen mit optimistischen 14-16 bar Reifendruck bei drückender Hitze auch in der Wechselzone. Jetzt geht’s los! Entlang der Donau mit 2 Wendepunkten am linken und am rechten Ufer, durch die Stadt hinauf zum Buda Castle, hinunter an einer idyllischen Baustelle mit Staub und Rollsplitt und 2 zu spät markierten, sehr steilen Bodenschwellen im Schatten zweier Bäume. Ein aufmerksamer Wegbegleiter schreit noch kraftvoll „Attention!“ und per Bunny Hop geht’s in allerletzter Sekunde über die zwei „pennenden Polizisten“. Noch einmal Glück gehabt! Gefahrenstelle für die zweite und alles entscheidende Runde im Kopf eingeprägt. Positionskämpfe an allen Ecken und Enden, nordafrikanische Drahtesel mit pathologischen Gelenksermüdungen bewegen sich quietschend und kreischend durch die Gegend, während begeisterte Touristen mit den gebrandeten City-Bikes der staatlichen MOL (Hungarian Oil & Gas) beherzt auf die gesperrte Radstrecke einbiegen und sich der Freiheit auf den Straßen Budapests erfreuen.

Mit exakt angepeilter Split-Zeit in der Wechselzone II geht es nun über 4 Runden auf die 21km lange Halbmarathon-Strecke.

Die Sonne ist erbarmungslos und glüht weiter auf den Straßenbelag. Die Helfer an den Labestellen sind sehr engagiert und top organisiert. Dank ihrer funktioniert die dringend notwendige Flüssigkeitsaufnahme ausgezeichnet und es werden fleißig färbige Armbänder je Laufrunde gesammelt. Nach exakt 90 Minuten ist die letzte Schlacht geschlagen und das Ziel erreicht. Großer Dank gebührt den zahlreichen Helfern und kollegialen Mitstreitern, durch die der Kampf gegen die Hitze gewonnen werden konnte!

….und wenn sie nicht gefladert wurden, dann stehen sie noch heute!

….ein paar Flip-Flops am Strand von Budapest.

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