IRONMAN 70.3 Pula – ich war dabei!

Oktober 17, 2015 5:19 pm Veröffentlicht von

Rennbericht von Werner Schweiger:

Der Teamgeist macht es möglich. Trotz meinem Antritt zur Halbdistanz in Podersdorf 14 Tage zuvor, lass´ ich mir die Gelegenheit bei der Triathlon-Team EM-Finalrunde IRONMAN 70.3 Pula dabei zu sein nicht entgehen. Zudem soll es ja auch die erste Bekanntschaft mit der mir bisher beim Bewerb unbekannten Materie „Salzwasser mit Wellen“ werden.

Die Anreise erfolgt bereits fünf Tage vor dem Renntag und so kann ich die Zeit nutzen um die Radstrecke mit Tom Srb zu beradeln. Dank Toms Organisation, können wir an einem Tag die Radstrecke mit ISTRA-Bike besichtigen. Was ich allerdings nicht weiß, bei dieser sechsköpfigen Besichtigungstruppe sind vier Hawaiianer dabei. Nein, damit meine ich nicht Einwohner von Hawaii, sondern IRONMAN Hawaii-Teilnehmer 2015. Damit bekomme ich die Gelegenheit die Radstrecke gleich im Renntempo und  noch ein bisschen darüber kennen zu lernen. Das sollte sich am Renntag jedoch nicht als Nachteil herausstellen. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, es ist auch der zukünftige IRONMAN 70.3 Pula Gesamtsieger in dieser Gruppe.

Die Besichtigung der Schwimmstrecke ist dagegen eine richtige Erholung. Die Gewöhnung ans neue Element Meerwasser geht sehr gut.  Ebenso ist die Erkundung der Laufstrecke (via Rad:-) ein netter Ausflug in die Altstadt von Pula.

Nach und nach treffen alle Teammitglieder des ASICS TRI Klosterneuburg in Pula ein und die neuen Hoodies erweisen sich nicht nur als schickes Outfit sondern auch als tolles Erkennungszeichen unter den vielen TeilnehmerInnen bei der Pasta-Party. Alle gemeinsam tauschen wir unsere Erkenntnisse über Kurs, Strecke, Transition-Area usw. aus. Alles ist neu hier und etwas anders. Beispielsweise gibt es zwei Wechselzonen und offensichtlich hat sich keiner von den Organisatoren Gedanken darüber gemacht, wie die Athleten nach dem Zieleinlauf wieder zum Hotel/Startbereich zurückkommen sollen. Die zweite Wechselzone liegt 5 Kilometer entfernt davon.

Der Check-in läuft wie üblich ab. Hier zeigt sich die Lage des Hotels Park Plaza Verudela als sehr Vorteilhaft, der Check-in Bereich ist fußläufig erreichbar.

Renntag: Gemütliches Frühstück um 7:00 Uhr  (der Start ist erst um 10:00 Uhr), 9:15 Uhr planmäßiger Abmarsch zum Check-in, letzte Kontrolle und Bestückung der Räder mit den Trinkflaschen und Gels, dann ab zum Schwimmstart. Hier merke ich das gewisse Kribbeln und die Anspannung der MitbewerberInnen. Das erinnert mich an meine Teilnahme am längsten Schirennen der Welt „INFERNO-Abfahrtslauf in Mürren/Schweiz“. Dabei geht es über eine Strecke von 15 Kilometern und über 2000 Höhenmeter. Auch dort konnte ich so eine angespannte Stimmung unter den TeilnehmerInnen fühlen und „regelrecht einatmen“.

Beim Start gibt es eine Neuerung die mich total positiv überrascht, einen „Rolling Start“. Bei diesem stellt man sich bei der jeweiligen Zeittafel für die erwartete Endzeit des Schwimmens auf und geht so, über eine Zeitnehmungsmatte, sehr entspannt an das Rennen heran. Dadurch halten sich auch die sonst üblichen Positionskämpfe sehr in Grenzen. Dann geht´s los. Das Meer ist ruhig, die Ideallinie bis zu den ersten Bojen kann ich relativ gut halten. Je weiter ich mich jedoch von der Bucht entfernte desto höher werden die Wellen. Nach der ersten Richtungsboje beginnt mein Kampf bis zur 300 Meter entfernten zweiten Richtungsboje. Aber irgendwann komme ich auch bei dieser an. Jetzt nur noch an Land kommen, denke ich. Aber wo waren die kleinen Orientierungsbojen geblieben? Aufgrund der inzwischen sehr hohen Wellen und der aufspritzenden Gischt kann ich diese nicht mehr sehen. Also, jetzt einfach so gut es geht in Richtung Land schwimmen. Leider verwechsle ich das von mir anvisierte Strandcafe mit einem daneben liegenden Hotel und schwimme ca. 300 Meter zu weit nach links. Es fällt mir erst auf, als mir einer der Letzten des Starterfeldes auf meiner Schwimmstrecke entgegenkommt. Kurzer Navigationsstopp – verdammt! Jetzt schwimme ich wieder nach rechts in Richtung Strandcafe. Nach endlosem Schwimmen komme ich bei der Süßwasserdusche an. Ahh, welche Wohltat!

Leider dauert diese nur kurz dann folgt schon ein Bergauflauf zur Transition-Area 1. Total gemein, wenn man eh keine Luft mehr hat. Jetzt noch das Rad aus der Wechselzone schieben. Man hat den Eindruck die Pulaner halten nicht viel vom Radfahren, man muss bis ca. 100 Meter nach der Ausfahrt von der Wechselzone rennen bevor man aufsteigen darf. Aber dann geht es endlich los – meine Disziplin – 90 km Rad. Ich radle mich die ersten Kilometer so richtig ein und dann so ab Ortsgrenze Pula in Richtung  Medulin geht es voll zur Sache. Ich kann Radfahrer um Radfahrer einholen und überholen. Gelegentlich werde ich auch überholt, aber das müssen ja wirklich „Trainingskanonen“ sein, denke ich und lass´ sie ziehen. Den einen oder anderen dieser Schnellstarter hole ich sicherlich wieder ein. Apropos Einholen, wo sind eigentlich meine Klubkollegen und Kolleginnen. Nach den Schwimmtrainingszeiten müssen sie alle vor mir aufs Rad gekommen sein. Ich radle und radle und sehe niemanden. Mein Tempo liegt bei ca. 35 – 45 km/h – nicht schlecht! Leider hat sich der Wind heute eine andere Richtung ausgesucht als an den Trainingstagen. Zudem kommt es mir vor, als wären heute alle Bergpassagen noch zusätzlich mit Gegenwind „bereichert“. Damit bekomme ich meinen Gesamtschnitt nicht über 31 km/h hinaus – also keine gute Leistung für mich. Sonst ist jedoch alles ganz ok bei mir: Verpflegung, Temperatur, Gefühl am Rad. Im letzten Abschnitt sehe ich dann doch eine Athletin unseres Teams. Ein schnelles „Hopp auf Sabine“ bleibt allerdings die einzige Konversation zwischen uns, denn wir sind gerade in einer scharfen Linkskurve und es geht rasant bergab. Es sind also doch Klubmitglieder auf dem Kurs, denke ich. Gut, es geht hier ja schließlich um die Teamwertung. Die letzten kleinen langgezogenen Steigungen vor Pula (umgangssprachlich „Schmierer“ genannt) sind dann auch gemeistert und mit Höchsttempo fahre ich in Richtung Hafenanlage hinunter. In der Transition-Area 2 wird mir das Rad abgenommen – sehr komfortabel!

Dann hinein in die Laufschuhe und los geht’s. Da ich ja am rechten Knie leichte Probleme habe, fallen die ersten Schritte sehr zögerlich aus. Aber, keine Schmerzen – super! Ich nehme Tempo auf. Das bedeutet bei mir, ich schau´ das ich unter sechs Minuten laufe. In der Altstadt angekommen, koste ich jeden Häuserschatten aus, da die Temperaturen mittlerweile bei knapp 30 Grad liegen. Ich komme das erste Mal bei der Arena vorbei – puh, noch zwei Mal muss ich hier vorbei. Dann geht´s die lange Gerade am Hafenbecken entlang bis zur Wende. Die Runde ist noch nicht fertig, dennoch bekomme ich schon ein Rundenband – interessant. Auf der Wendestrecke sehe ich mich nach meinen KlubkollegInnen um. Es ist kein Schatten in Sicht und auch niemand vom Klub. Dann doch, Tom kommt mir entgegen. Trotz seines hohen Tempos kann ich erkennen, er hat schon zwei Rundenbänder. Leider entdecke ich sonst niemanden von uns, eine einheitliche Klub-Wettkampfkleidung hätte einen hohen Wiedererkennungswert. Dann habe ich die zweite Runde geschafft, das zweite Band bekommen. Jetzt dauert es nicht mehr lange, nur noch eine läppische Runde. Ich komme das dritte Mal am Zieleinlauf, der Arena, vorbei. Jetzt die letzte Runde, das dritte Band. Ich bin auch einer, der schon drei hat – super. Jetzt nur noch die Runde fertig laufen: Hafenstraße, Wende, Hafenstraße, Altstadt. Jede Verpflegungsstelle wird von mir angesteuert, wie das auch die Athleten auf Hawaii machen. Endlich – ich darf auf den Zieleinlauf in Richtung Arena-Eingang einbiegen. Die Freude in dieses antike Bauwerk als Teilnehmer beim 1. IRONMAN 70.3 Pula einzulaufen ist schon etwas ganz Besonderes. Dann Zielfoto, ein Schrei „JAWOOOHL GESCHAFFT“ und ich bin am Ziel.

Tom der mich auf der letzten Runde angefeuert hat erwartete mich bereits im Ziel. Es folgt ein gemeinsames Check-out. Die Frage wie wir zum Hotel zurückkommen stellen wir uns jetzt nicht mehr – wozu gibt´s die IRONMAN-Rucksäcke und Räder! Wir packen alles hinein und radeln los.

Ein super Erlebnis, IRONMAN 70.3 Pula oder wie es manche auch bezeichnen „das kleine Hawaii vor der Haustüre“ ist geschafft. Ein großes Danke allen Teammitgliedern für ihren Einsatz und dem Verein für die Hoodies. Eine Neuauflage 2016 wäre ein großes und auf jeden Fall anzustrebendes Ziel. Die kleine Panne mit den Schwimmbojen und der daraus resultierenden Annullierung der Schwimmzeiten kann mein positives Gesamterlebnis nicht trüben.

Und nun, OFF-SEASON ICH KOMME!

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