Mario Rabitsch: Surfing PU.L.A.

September 29, 2015 3:04 pm Veröffentlicht von

„Surfing PU. L. A – wer nicht finishte, war ein Weh…“

Wenn eine derartige Veranstaltung an einem Ort das erste Mal stattfindet, sind Anlaufschwierigkeiten nicht gänzlich auszuschließen. Dass alle Teilnehmer dies dann aber auskosten durften – und damit auch unser Team – konnte man so nicht erwarten.
Unser Team – das waren Corinna Fenzel , Sabine Löb, Wolfgang Rausch, Thomas Srb, Robert Reinbold, Ernst Kratky, Werner Schweiger und ich – mussten aber schon vorher einen Schrecken verdauen, als zuerst unser Paule Quattro und dann auch noch Axel Dinse ermüdungs- bzw. verletzungsbedingt ihre Teilnahme zurückziehen mussten. Damit verloren wir natürlich zwei „Granaten“ für das Finale des von IRONMAN 70.3. heuer erstmals ausgeschriebenen europäischen Teambewerbes, in dem sich damit die restlichen 8 Vereins-athletInnen so teurer wie möglich verkaufen mussten.

Dass letztlich für die europaweit erkämpften und zugeteilten 10 Finalplätze nur 5 Vereine Interesse zeigten und ihre StarterInnen für den Abschlussbewerb anmeldeten, war wiederum eine für uns positive Nachricht. Dass davon aber nur 2 Vereine das maximale Kontingent von 5 Startern, das in der Endwertung berücksichtigt werden konnte, stellten – und wir waren einer davon – hieß es von nun an „auf das Podium und der Sieg ist auch nicht mehr unmöglich!“.
Je nach Anreisezeit wurde die Zeit vor dem Rennen für die Erkundung der einzelnen Streckenteile per pedes, Kurbel oder Schwimmanzug genutzt und man gewöhnte sich an ein schönes, warmes Spätsommerwetter an der dahin plätschernden Adria bzw. an die von einem Hauch von Brise umsäuselten Straßen Istriens.

Der Aufbau der Wechselzonen ging mit dem Ansturm der zum Einchecken anrollenden Teilnehmerschar einher und man hoffte auf baldigen Verschluss zur Absicherung der allerheiligsten Güter. Dass der Zieleinlauf in Pulas historischer Arena einer mediterranen Baustelle in der sommerlichen Mittagsagonie glich, berührte den neugierigen Erkundern aus dem Starterfeld eher sekundär – es waren ja noch ein/zwei Tage Zeit.

Die Wettkampfbesprechung bestätigte umso mehr, dass eine derartige Veranstaltung für das lokale Team noch eine Herausforderung war und eine Hilfestellung u.a. aus dem Klagenfurter Team erforderte. Sportlerherz was will man mehr, die IM Qualität schien damit abgesichert und man konnte am Vorabend in einer gemütlichen Runde von Sportlern, Betreuern und Fans scherzen, fachsimpeln und wetteifern zugleich. Ein warmer Nieselregen mit aufkommendem Wind tat aber vor der Nachtruhe der guten Stimmung keinen Abbruch. Bekannterweise bessert sich ein solches Wetter am Meer recht rasch und meistens flugs über die Nacht hinweg.

Sonntagmorgens hieß es früh aufstehen und rechtzeitig ein nahrhaftes Frühstück einnehmen sowie danach das Rad in der Wechselzone noch einmal überprüfen (Luft, Wasser, Öl). Ein letzter Besuch der Startzone am Strand ließ jedes Triathletenherz höher schlagen. Die Oberfläche plättscherte leicht gekräuselt mit Babywellen dahin, ein ruhiger Binnensee kann nicht einladender sein.
Noch einmal alles geistig durchgehen, sich für den Schwimmpart aufwärmen, rein in den Neoprenanzug – es war noch um einige wenige Zehntelgrad kalt genug – , in die passende (Zeit-/Leistungs-)Gruppe für den rollenden Wasserstart stellen und der kroatischen Hymne lauschen. Jetzt geht es gleich los!

Der Wind frischte auf und strich über die Uferböschung auf das Meer hinaus, bei den Wendebojen konnte man schon etwas Wellenbewegungen erkennen, schließlich tanzten alle Bojen mehr oder weniger leicht im Wind. Es dauerte nicht lange und der Dreieckskurs war nicht mehr auszunehmen. Einige Bojen bewegten sich aus der Linie, andere strömten auf und davon. Der Startsprecher verlangsamte seinen einpeitschenden Countdown und setzte aus. Die wenigen Boote hatten Hochbetrieb die widerspenstigen Bojen einzuholen, neu oder besser zu verankern, alles konnte aber nicht mehr richtig auf Linie gebracht werden. Die ersten Starter – Pros und Schwimmgurus- schwammen sich im Zick-Zack-Kurs wettkampfmäßig auf die erste Wendeboje gerichtet ein und gaben uns, den restlichen nachfolgenden Lemmingen Hoffnung alles sei wieder gut.

Kurz nach 10 Uhr glitt ich unmittelbar zeitgleich mit Corinna und Ernst ins Wasser, die restlichen von uns wählten andere Startpositionen. Ein leichtes welliges Auf und Ab begleitete uns bis zur ersten Wendeboje, die aufgrund der immer stärker werdenden Strömung mit Korrekturfaktor anzupeilen war. Um die Boje herum ging es dann schon mehr zur Sache. Der Wellenhub war schon kräftiger, die Strömung verlieh uns (Schwimm-)Flügel und der Wind peitschte die Gischt über die Wellenberge hinweg. Einen ruhigen Atemrhythmus stellte man sich anders vor, der eine oder andere ungewollte Ex-und hopp-Schluck statt Luft pur reizte Mund- und Rachenraum gehörig, sogar der eigentlich leere Magen fing an sich spürbar zu melden. Der ersehnte Schwenk um die nächste Wendeboje war bald geschehen und nun hieß es Richtung Strand zurück noch einmal anzudrücken. Die Wellen kamen uns nun frontal meterhoch entgegen, der Wellentanz errang nun seinen Höhepunkt. Ein Orientieren war durch Wellengang und Gischtspritzer fast unmöglich, pures Nachschwimmen und Verfolgen war angesagt. Da bemerkte ich in einem naheliegenden Boot zu meiner Linken eine stark gestikulierende Figur. Was wollte sie uns zeigen? Ich bemühte mich etwas mehr den Kopf zu heben und rundum zu blicken, worauf ich eine Boje zu meiner Rechten weit querab taumeln sah. Gute 70-80 Meter im rechten Winkel zum Kurs auf den Strand. Hatte ich mich bzw. wir uns so verschwommen? Ich sah einige um mich herum den Kurs abrupt korrigieren und auf diese Boje hinzusteuern. Was blieb mir übrig, ich musste ihnen nach, wollte ich nicht disqualifiziert werden. Die Sicht war weiterhin so schlecht, das man nicht ausnehmen konnte, wo denn die nächsten Bojen liegen würde. Strömungsbedingt waren wir bald bei der fast versäumten Boje und hielten wieder Kurs Richtung Ausstieg. Je näher zum Strand desto geringer wurden die Wellen und desto eher waren die letzten Bojen erkennbar. Mein Gefühl sagte mir, das wird für mich die schlechteste Schwimmzeit auf der Halbdistanz ever (über 40 min und mehr), der Kampf gegen Wind, Wellen und Strömung kam mir aufgrund der schlechten Orientierung am Schluss wie eine halbe Ewigkeit vor. Was war das für eine Überraschung als ich endlich beim Ausstieg angelangt auf meiner Uhr 34:50 ablas. Wow mind. 2min unter dem Plan und das bei diesen Bedingungen und Kursproblemen.

Ich gab auf der Rampe zur Wechselzone Vollgas wie selten zuvor, ich war im Rennen angekommen. Nach knapp 3 min befand ich mich auf meinem roten Renner und stellte mich aufgrund der Wettersituation auf ein windiges erstes Drittel bei durchgängigen Sommertemperaturen ein.
Auf den ersten Kilometern war aufgrund des böigen Windes das Fahren am Aufleger eine echte Herausforderung, insbesondere die Einfahrt in engere Kurven oder Kreisverkehre waren der reinste Nervenkitzel. Doch Übung macht den Meister und ich stellte mich auf des Hin- und Herruckeln immer besser ein, denn ich wusste, dass meine Zeit für die Aerofelge und-scheibe noch kommen würde. Die prinzipiell recht wellige Radstrecke ließ alle geschulten Waldviertler Eisenmänner erfreuen, ließ mich aber dahingehend besser aussehen als sie bis KM 30 durchgängig gemächlich und dann bis KM 50 kompakt anstieg, wobei der Kursverlauf in Richtung seitlich zum NO-Wind den nötigen und erhofften Anschub einbrachte. Bis KM 60 hatten dann alle Fahrer mit einer Scheibe am Hinterrad in den kurzen Gegenanstiegen eine helle Freude. Nützten sie doch nach dem Auslaufschwung am Gegenanstieg den Windantrieb bis zur nächsten Kuppe, am Aufleger verbleibend. Nach KM 60 fuhren wir wieder den istrischen Hügelrücken talwärts Richtung Pula retour. Der Seiten- und fallweise Rückenwind halfen zwar den Schnitt wieder über die 30 km/h zu schrauben, doch waren die anspruchsvolle Radstrecke und die bereits absolvierten Km zu spüren. Als ich nach KM 70 das Hinterrad von Ernst erblickte, kam ein erneuter Motivationsschub auf, denn nun wusste ich endgültig, dass ich gut unterwegs war. Die Einfahrt nach Pula ging somit wieder etwas leichter und auf einmal sah ich schon die Hafenstrasse vor mir, auf der schon einige auf der Laufstrecke ordentlich wetteiferten. Auf die 2:52 auf den 90 Km war ich echt stolz!

Der 2. Wechsel verlief unproblematisch und flott, sodass ich mich nach ca. 2 min nun endlich im letzten Abschnitt befand. Ich fühlte mich gut und kam bald in den Laufrhythmus nur der angepeilte KM Schnitt von etwas unter 5 min wollte nicht so wirklich gelingen. Hatte also das Brandungsschwimmen und der windige Buckelritt doch Spuren hinterlassen. Durch mein intensives Studium der Laufstrecke wusste ich, dass jedes Passieren der Altstadt – durch den Titusbogen und der darunter befindlichen Labestation und danach an der historischen Arena vorbei – eine Runde weniger bedeutete und der Kampf auf der langen heißen Hafenpromenade wieder um einmal weniger oft bestritten werden musste. Das einzig Positive auf dieser elendslangen Gerade war, dass man die Teamkollegen vorbeilaufen sah und man sich gegenseitig durch Zurufen anfeuern konnte. Je länger das Rennen dauerte, desto mehr ahnten wir, dass wir Großartiges erreichen könnten. Durchhalten und Kämpfen lautete daher die Devise, mussten wir doch die bedeutenden Ausfälle von Paul und Axel wettmachen. Aber Thomas und Wolfgang lagen gut voran, wodurch wir etwas weniger Druck hatten und jeder gab an diesem Tag sein Bestmöglichstes. Beim letzten Vorbeilaufen an der Arena winkte mir Thomas schon mit seiner Finishermedaille zu und rief mir noch ein paar Aufmunterungen zu. Sah ich schon so müde aus? Ein letztes Mal den Glutofen auf der Hafenmole, dann ein letztes Aufgebot in die Altstadt hinein. Einen Schwamm noch im Vorbeilaufen auf die Laufkappe ausgedrückt und hinauf zur Arena, die ich im Endspurt erklomm und mich dort mit den letzten Körnern ins Ziel wuchtete. Geschafft! Wolfgang, der rd. 9 min vor mir ins Ziel kam, munterte mich auf. Es sah wirklich gut für uns aus. Etwas später trafen wir dann Ernst, Robert Sabine und Corinna in der Erholungszone unter der Arena. (Werner wollte die Laufstrecke unbedingt genussvoll auskosten und stieß damit erst abends zur Truppe dazu) Jetzt begann das große Grübeln, ob wir die Luxemburger vielleicht doch gepackt haben oder nicht.

Beim Radauschecken erfuhren wir dann, dass das Schwimmen aufgrund der irregulären Verhältnisse aus der Wertung genommen wurde, womit meine tolle Endzeit nur mehr inoffiziellen Charakter hatte. Eigentlich schade, wollte ich doch die Scharte von St. Pölten eindeutig und nachhaltig auswetzen. Und was bedeutete dies nun für den Teambewerb? Es blieb also spannend bis zur Siegerehrung am Abend in der Arena.

..und dort war es endlich Gewissheit unser Team vom ASICS TriKlosterneuburg wurde 2. in der Division III des von IM 70.3 ausgeschriebenen European Teamchampionship – ein Traum ging in Erfüllung und mit Sicherheit auch in die Vereinsannalen.

We will never forget – Vielen Dank an alle Teammitglieder, die gemeinsam den Erfolg in Pula erkämpft haben und eigentlich noch mehr an alle Vereinsmitglieder, die uns durch deren zahlreiche Teilnahme im Mai in St.Pölten den Startplatz für Pula überhaupt ermöglicht hatten.
Letztlich auch Dank an alle Fans, die uns vor Ort unterstützt haben und aus der Ferne mitgefiebert haben.

Und last but not least – auch an den Vorstand, der uns mit einem Hingucker als Vereinsoutfit 5 vor 12 noch versorgt hatte.

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