Paul beim IronMan Lanzarote: wellig – windig – heiß

Mai 28, 2016 10:01 pm Veröffentlicht von

Zwei Möglichkeiten, den Hawaii Slot zu verpassen:

Also liebe Freunde/innen
Die Schlacht ist geschlagen und das Beste gleich vorweg: Norbert, Marco und ich haben gemeinsam die vielleicht härteste Langdistanz im Ironman Zirkus gesund gefinisht. Die beiden hatten überhaupt ihre erste „Lange“, umso sensationeller die Finisher Zeiten von Marco in 11:41:52 und Norbert in 12:26:05 – unglaublich, Hut ab!!! Die Beiden sind auf den Geschmack gekommen. Wir haben wunderbare Geschichten zu erzählen, wenn wir einmal unsere Enkelkinder schaukeln oder sich die „Frotzen“ mit uns bei einem Triathlonbewerb matchen wollen. 😛

Mein Rennen?? ganz ehrlich ich weiß noch nicht, wie zufrieden ich sein soll. Mein großes Ziel war hier keinen Deppen runter zu reißen. Eine Endzeit hatte ich, weil ja alles unbekannt und fremd war, eigentlich nicht im Kopf. So gesehen sind meine 11:19:50 und der 267te Gesamtrang, 11er Platz von ca. 150 Startern und bester Österreicher in meiner Altersklasse M50-54, weil ich der einzige war muahahahaha, nicht schlecht.  😀

Schon gar nicht dachte ich an die Möglichkeit, mich für die Ironman WM in Hawaii zu qualifizieren. Es gab in meiner Altersklasse nur drei Slots und unter die ersten Drei zu kommen war bei dieser Leistungsdichte als einer der Ältesten in der Methusalem 50 unrealistisch. Wie ich aber trotzdem eine der zwei Möglichkeiten den Slot zu verpassen, schamlos nutzte, erzähle ich jetzt:

Die unglaubliche Anspannung entlud sich mit dem „Rawummms“ des Startschusses als ca. 1800 Verrückte/innen zum 3,8km Schwimmen in den leicht welligen Atlantik reinstürmten. Die Party hatte begonnen und wir waren mittendrin. Dann begann aber ein Gemetzel, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Eine Runde lang musste ich mich ständig aufs Wildeste prügeln, die Spanier haben eben doch Stierkampfmentalität. Leichter Wellengang und das Salzwasser im Mund machten die Sache auch nicht leichter. O.o

Die Schwimmzeit mit 01:05:20 nicht gerade überragend, aber was soll´s. Jetzt begann mit den 180km Sightseeing Tour am Rad rund um die Insel inklusive 2600 Höhenmetern die erste wirkliche Herausforderung. Am Anfang weiß ich nicht so recht – bin ich im Rhythmus oder nicht? Die Anstiege zäh, ich fahre sehr verhalten, ich komme aber immer besser rein. Leichtfüßig ab Kilometer 70, selbst in den Bergen, obwohl ich mit meinem Gewicht nie eine Bergziege werde. Als ich gerade die nächste Gruppe vor mir schnupfe, springt mir vorne die Kette raus – Himmel, Arsch und Zwirn. Als ich die 40 Jungs wieder einhole und am Berg vorbeiziehe fragt mich ein Engländer „Defekt behoben???“ „Lustiger!!! no na wär ich sonst hier?“. Zwei Stunden später fingert er am Straßenrand an seiner Kette rum. Nicht am letzten Zacken fahrend beende ich die Radrunde nach 06:04.57, Gott erhalte mein 28er Ritzel hinten, es ist Gold wert.

Dann laufe oder besser gesagt wackle ich ins Zelt. Dort Überraschung!!!! warten Helfer mit Latex Handschuhen und schmieren mich von oben bis unten, vorne und hinten, mit Sonnencreme und auf Sonderbestellung mit Vaseline ein. Autsch!!!! Verdammt, am Nacken bin ich wundgescheuert, Neopren, Salzwasser und dann die Sonne drauf, Hölle, das brennt. O.o

Als ich mir vor den kommenden 42 Laufkilometern die Frage stelle „warum machst du Idiot das eigentlich? am Pool wäre es jetzt bequemer!“ lasse ich die Antwort offen und renne raus auf die Promenade. Das ist immer der mental härteste Moment während eines Ironmans, weil du dir aber so was von überhaupt nicht vorstellen kannst, wie du den kommenden Marathon laufen sollst. Aber hunderte Leute johlen, schreien und klatschen dich ab – aaahhhhh, das ist die Antwort. Also „auf geht’s – da Goaß noch“ und die ersten 2,5km gehen flockig in 4:45 min/km. 😀

Plötzlich ist Montezumas Rache wieder da. Wo krieg ich jetzt ein Klo her? Damit der Marathon nicht im wahrsten Sinne des Wortes in die Hose geht??? Kein Dixi in Sicht, dann kommt aber unser Hotel „La Costas“ direkt an der Laufstrecke. Gäste und Personal stehen am Rand und schreien, feuern uns an. Ich biege ohne zu blinken ab, renn schnurstracks in die Hotellobby und weiter aufs Häusl. Ich grüße schön brav die Receptionistin mit „Ola“, die reißt die Augen auf, auch der Mund ist offen und als ich 2 Minuten später vollster Erleichterung im Marathontempo wieder aus dem Hotel laufe und „Ciao“ rufe, fällt ihr auch noch der Kugelschreiber aus der Hand. Die Blitzgneisser unter den Hotelgästen sagen voller Ehrfurcht „Mann o Mann, der war nur am Klo“. 😛

Als ich Richtung Flughafen renne beginnt es hart zu werden, 8 Kilometer freies Feld, starker Gegenwind, bergauf bergab, keine Wolke am Himmel – es wird furchtbar heiß. Plötzlich neben mir „Hallo ich bin´s!!!“ Gott sei Dank meine Martina am Rad, sie feuert mich an, muntert mich auf, läuft leichtfüßig neben mir mit, lacht dabei und tätschelt mich, als sie sich verabschiedet, hinten auf den Nacken – autsch, genau auf die offene Stelle. Aber jetzt bin ich munter und werde schneller….jedesmal, wenn wir uns begegnen freu ich mich, baut sie mich auf, motiviert mich und „boostet“ mich mit unbewusst mit dem „Liebestatschkerl“ auf den Nacken nach vorne. Danke Martina, das hat soooo geholfen!! :*

Der Marathon ist zaaach, die Anstiege und der Wind nehmen mir die Körner, die Sonne nagelt ganz schön runter, trotzdem laufe ich ihn relativ zügig in 03:56:08 durch. Vom Training hätte ich mir mehr erwartet, aber unter diesen Umständen muss ich wohl zufrieden sein. Alles andere wäre Jammern auf hohem Niveau und unverschämt. 🙂

Fazit: Eine sehr solide Leistung ohne nennenswerte Problem auf dieser zum Teil atemberaubend schönen Strecke, wir kommen wieder!!! Die Vorbereitung für die Langdistanz Staatsmeisterschaft beim Ironman Kärnten in 5 Wochen am 26.06.2016 passt. Vor den Anstiegen dort fürchte ich mich nicht mehr. Jetzt heißt es kurz Beine hoch und dann volle Konzentration auf den Wettkampf in Kärnten, wenn es dort heißt
„Scheiß dich nicht an – ein Ironman ist kein Kindergeburtstag“! 😛

Ach ja und die Geschichte mit dem Hawai Slot? Sonntagabend erfahre ich, dass sich der 10te noch qualifiziert hat, weil so viele vor uns den Slot nicht annahmen. Ob sie mich auch aufgerufen haben weiß ich nicht, weil ich bei der Slot Vergabe nicht anwesend war. Erste Möglichkeit: Ich war als 11ter um 5 Minuten zu langsam, arschknapp bei über 11 Stunden Sport, bei der du 226 Kilometer in einem Stück zurück legst oder zweitens – sie hätten mich genommen und ich war nicht dort. Zum Haare raufen, aus der Haut fahren und wenn ich hinkommen würde, zum Hintern beißen….:/

Euer zufriedener Paul 🙂

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