Paul wieder Öst. Meister auf der Langdistanz!

September 26, 2015 11:29 am Veröffentlicht von

Personal best – die 29 Sekunden von Podersdorf????????

Also liebe Freunde/innen????
Ich habe euch erzählt, dass die Langdistanz Europameisterschaft in Frankfurt mein Waterloo, das schlimmste Debakel meiner sportlichen Karriere war. ????
Ich habe auch gewusst, dass man aus seinen größten Niederlagen unendlich viel lernen kann – dass aber nur zwei Monate später ausgerechnet Frankfurt so schnell einen wichtigen Beitrag zu meinem größten Sieg leisten wird, davon habe ich nicht einmal zu träumen gewagt. ????
Es war der Tag der Österreichischen Staatsmeisterschaften in meinem „Wohnzimmer“ Podersdorf, der Tag des „personal best“, des Sieges auf allen Linien, eines Sieges von 29 Sekunden Vorsprung auf einer 226km langen Reise (3,8km swim, 180km bike, 42,1km run) in nicht mehr als 09 Stunden 36 Minuten und 03 Sekunden.????
Der Tag begann eigentlich sehr „bescheiden“ mit Schnürlregen ☔ und dem Gedanken „warum kriech ich eigentlich nicht wieder sofort ins warme Bett“.
In der Wechselzone war binnen Minuten alles durchnässt – dann war es aber schon vorbei mit den negativen Dingen. Immerhin ist ein Ironman ein Ironman und kein Wunschkonzert, daher volle Konzentration auf den Start.
Rawumms und los geht’s!!! Wenigstens eine glatte Wasseroberfläche, weil fast kein Wind, keine Schlägerei, weil ich mich innen bei den Bojen halte, der Schwimmrythmus ist rasch gefunden ich merke geiler Speed. ???? Besonderheit in dem flachen Steppensee – wenn du beim Schwimmausstieg zu weit zum Ufer schwimmst, strandest du mit dem schwarzen Neopren wie ein Grauwal????, die Leute beschütten dich mit Wasser und versuchen dich ins Meer zu ziehen muahahaha…
Als mein Bauch den Seeboden berührt richte ich mich auf, meine Uhr zeigt 58min30, scheiss mich an so schnell war ich noch nie!!! Ich muss zwar noch wie eine hüpfende Ente durch das wadentiefe Wasser zum Ufer watscheln, doch die offizielle Schwimmzeit mit 59:57 ist einfach – personal best.????
Die 180km Rad auf meiner diesmal perfekt funktionierenden Zeitfahrmaschine beginnen gefährlich nass. Die 30km Splits trotzdem immer sehr konstant. Zwei Bilder sind auf jeder Runde immer gleich: Beim Einbiegen vor der „Darscho Lacke“, ein Rudel Sportangler die sich nie bewegen, die aussehen wie ein Standbild. Welcher Kontrast, als wir mit mehr als 36km/h vorbei zischen. Bei der Verpflegungsstelle meine Martina, immer beidbeinig wie ein „Goaßbock“ in hoher Frequenz auf und ab hüpfend, klatscht in die Hände, lacht und feuert mich an, weil sie merkt, dass ich fliege. ???? Ich fühle schön langsam, dass es heute ein guter Tag werden kann. Der Vorsprung in der Staatsmeisterschaftswertung M50 (nur österreichische Starter mit Lizenz) wächst von Runde zu Runde. Nach 4:53:59 steige ich vom Rad, 36,7km/h Schnitt und 255Watt Durchschnittsleistung und 20 Minuten Vorsprung – einfach personal best.????
Als ich aus der Wechselzone laufe, werde ich informiert, dass in meiner Altersklasse M50 (jene Wertung mit allen internationalen Startern) unmittelbar vor mir ein Russe, der aber gerade eingeht, und ca. 3 Minuten vor mir, ein starker Deutscher, also ein Heinz Rüdiger, liegen. Und ich weiß sofort, dass der Deutsche ein überaus starker Gegner ist. Ich kennen seinen Namen und seine Leistungen – Helmut Potstada, 10:11:00 Frankfurt 2014, Teilnehmer der WM 2014 in Hawaii (dort wo ich immer sein wollte) in einer super Zeit von 10:39:00. In St.Pölten war er heuer auf der Halbdistanz um 10 Minuten schneller als ich…..
Klar ahnt ihr was jetzt kommt – Ich will auch den Sieg in der gesamten M50, ich will ihn schlagen, ich will es heute wissen. Dieser Ironman ist kein Kindergeburtstag, ich will keine Geschenke machen, schon gar nicht in meinem Wohnzimmer in Podersdorf und schon gar nicht bei einem „Piefke“, in Frankfurt haben sie ja dem Ösi gezeigt wo der Bartl den Most herholt…????
Ich laufe die ersten 10 Kilometer der Wendestrecke enorm locker, über weite Strecken mit einer Kilometer Pace unter 04:50min/km. Bei Kilometer 13 ruft mir Gerhard plötzlich zu: „Paul dort vorne – 40 Meter vor dir – dort läuft er. Hol ihn dir, das ist er, zieh an ihm vorbei, bleib mit der Geschwindigkeit bis zum Halbmarathon drauf, dann gibt er auf!!!“. Ich überhole ihn tatsächlich sehr leicht und laufe bis zur nächsten Wende bei Kilometer 15 einen Vorsprung von knapp 3 Minuten raus. Bei Kilometer 21 gibt er trotzdem nicht auf und ich realisiere „bist du deppat der ist stark, bei dem gibt es kein Aufgeben, der ist so wie ich gestrickt“. ????
Und dann beginnt ein unglaublicher Kampf auf Biegen und Brechen, ein Kampf um jeden Meter, um jede Minute und um jede Sekunde. Ich begebe mich unbewusst in einen Grenzbereich, den ich so von mir noch nie gekannt habe, fokussiert, kein Wort zu meinen Betreuern. Nur ein Ziel vor Augen – Sieg mit personal best.????
Ich weiß, dass ich kein einziges Mal stehenbleiben darf, weder zum Pinkeln, noch wegen Montezumas Rache und schon gar nicht wegen der langbeinigen Blonden im durchsichtigen nassen Tüll, die bei jeder Labestelle steht und mich zum Trinken einlädt…..
Fuck jetzt wird es echt brutal!!!Ständig halte ich mir Frankfurt vor Augen, da habe ich mich mental zu sehr runterziehen lassen, habe jede Gelegenheit als Ausrede zum Duschen und Gehen genutzt – nein sicher kein Waterloo mehr in Podersdorf.????
Mein Körper arbeitet motorisch einwandfrei, blind greife ich nach den Gels, die mir mein perfekt eingespieltes Team bei den Labestationen gibt. Ich bleibe auf Zug, alle 5 Kilometer die Wende, jedes Mal kommt er mir nach einer Minute entgegen, locker, selbstbewusst, nur auf eine kleine Schwäche von mir wartend. Wenn ich nur einmal kurz anhalte ist es vorbei, dafür ist er zu stark und zu routiniert. Ich komme zur letzten Wende, die letzten 5 Kilometer bis ins Ziel – Vorsprung um eine Spur geschmolzen. An Gerhards Körpersprache und Sorgenfalten sehe ich, dass das „scheiß knapp wird“. ????
Gerhard versucht mich ein letztes Mal zu puschen, anzufeuern. Ich fühle, das wird ein Kampf bis zum allerletzten Meter, nix mit dem Bledsinn „auf einem Ironman musst du die letzten 2 Kilometer genießen“, nein Vollgas oder Umfallen.????
Aber ich habe aus Frankfurt gelernt, Willensstärke und Sturheit sind für mich als Skorpion mit Aszendenten Skorpion kein Fremdwort und ich schaffe etwas, was mir bei den vorherigen 12 Ironmans noch nie gelungen ist – Ich laufe den Marathon durch, ohne auch nur ein einziges Mal stehen zu bleiben.????
In dem Moment in dem ich über die Ziellinie renne, überschlägt sich die Stimme des Platzsprechers, Ironman Legende Richie Karpun, zum ersten Mal, weil er irrtümlich geglaubt hat, dass ich noch eine Runde laufen muss, ich aber den Marathon in 03:36:36 (einfach personal best)????und damit den Wettkampf in 09:36:03 (einfach personal best)???? schon beendet habe.
Als jedoch Helmut Potstada nur 29 Sekunden hinter mir über die Ziellinie stürmt, schraubt sich Richies Stimme nochmals um drei Oktaven in die Höhe. ????
Unglaublich so ein knapper Zielleinlauf, so ein knapper Sieg. Als Richie dann das Lied „wir wollen den Pauli sehen“ anstimmt, ich liege irgendwo zwischen den Mädels, die dir die Finisher Medaillen umhängen, ist einfach der Teufel los. Die Devise meines Bruders „gekotzt wird erst im Ziel“ halte ich brav ein. ????
Über die 30 Sekunden nachzudenken ist einfach müßig, die verlierst du und die gewinnst du nicht auf 226 Kilometern, da muss man einfach Glück haben. ???? Dieses Glück muss man sich aber erst hart erarbeiten und ein wesentlicher Mosaikstein war wiederum mein Team an der Strecke, während dieses Wettkampfes. Meine Frau Martina, Werbeguru Jörg, meine Tochter Melly mit ihrem Freund Thomas, und natürlich wie immer mein Mentalcoach an der Strecke Gerhard Lang – bitte alle vor den Vorhang!!!.????
Wir haben dann noch beim gemeinsamen Abendessen Tränen gelacht, als meine Uhr, nur weil ich 3 Stunden gefaulenzt habe, den Aktivitätsalarm „Zeit für Aktivität“ anzeigt…????????
Ich gewinne die M50 in der allgemeinen Klasse und in der österreichischen Meisterschaftswertung jeweils zum vierten Mal hintereinander. Hinter mir drei Deutsche, der Vierte mit 09:53:13, eine enorm hohe Leistungsdichte, aber trotzdem Triathlon Cordoba in Podersdorf muahahaha….
Mit meinen zwei Freunden, Christian Petutschnig 10:12:53 und unserer Kampfgössen Sabine Urich 12:00:49, gewinnen ich auch noch zum dritten Mal in Folge die Österreichische Meisterschaft in der Mannschaftswertung – geiles Team.????
Viele meiner Ziele habe ich heuer erreicht, Halbdistanz unter 5 Stunden, Quali für die Halbdistanz EM 2016 in Wallchsee und diese Siege in Podersdorf. ????????
Ich habe seit Oktober 2014 ca. 730 Stunden trainiert, ca. 530.000 kcal verbrannt, bin 338 km geschwommen, 9787 km Rad gefahren und 2310 km gelaufen. Daher bin ich auf diese Saison unendlich stolz und gehe mit vollster Zufriedenheit in die „Beine hoch Phase“.
Für das nächste Jahr bin ich jetzt schon voll motiviert, aber jetzt will ich einfach einmal runter kommen und vor allem eines:
Vielen Dank an meine Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Sponsoren. Ihr alle schafft mir die notwendigen Rahmenbedingungen, ihr ertragt meine Spinnereien mit unendlicher Geduld und so viel Verständnis, ihr motiviert mich, ihr seid stolz auf mich und ihr nehmt mich so wie ich bin – ohne Wenn und Aber – sodass ich nur eines tun brauche
„Einihocken“ bis zum Umfallen wenn es wieder heißt
See you in meinem Wohnzimmer in Podersdorf zur Langdistanz Party 2016 ????????????

ÖM Paul Run

ÖM Paul Bike

ÖM Paul Familie

ÖM Paul fertig

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