Thomas Srb beim IronMan Austria Klagenfurt 2014

Oktober 18, 2014 5:11 pm Veröffentlicht von

Ein Fehlstart mit Folgen in einem fast perfekten Rennen

Beim meinem dritten Langdistanz-Triathlon hab ich mir das Ziel schon etwas höher gesteckt: unter 9:40 Stunden sollen es heute in Klagenfurt werden – also mindestens 12 Minuten schneller als im Vorjahr. Geworden sind es schließlich 9:35:35 Stunden, das ist eine Verbesserung um 16 Minuten. Also ein Super-Rennen, bei dem ich trotzdem ein paar Minuten liegengelassen habe – ein paar entscheidende Minuten…

Schon gleich nach dem Schwimm-Start um 7 Uhr merke ich, dass das Schwimmen nicht optimal läuft. Ich bin im Gegensatz zum Vorjahr in einer hektischen Gruppe gelandet, in der viele einmal nach links und dann wieder nach rechts schwimmen, und in der sich vor den Bojen und auch vor dem Eingang zum Lendkanal einige als Bruststil-Treter entpuppen, von denen man sich besser fernhält. All das führt mich zu einer Schwimmzeit von 1:09:08 Stunden für die 3,8 km im Wörthersee. Das ist zwei Minuten langsamer als im Vorjahr und ich bin enttäuscht, denn ich hab ein Jahr lang wirklich ordentlich Schwimmen trainiert, mich verbessert und das in anderen Rennen heuer auch schon zeigen können.

Ich habe allerdings schon vor dem Rennen beschlossen, mich von meiner Schwimmzeit auf keinen Fall aus dem Konzept bringen zu lassen. Das hilft mir jetzt, zu Beginn der Radstrecke, ruhig zu bleiben und meinen Plan weiter umzusetzen.

Erstmals habe ich als Rennverpflegung für die ersten hundert der 180 Rad-Kilometer Reisbällchen mit Ei und Speck dabei. Das klingt vielleicht seltsam, das Rezept stammt allerdings von einem Koch, der jahrelang Triathleten betreut hat und damit gute Erfahrungen gemacht hat. Da auch meine Tests damit erfolgreich verlaufen sind, probiere ich das erstmals bei einer Langdistanz. Doris hat eine Kochplatte mit auf den Campingplatz genommen und am Vorabend meine „Kraftnahrung“ zubereitet. Die Hälfte davon hab ich schon zum Frühstück um 4:30 Uhr verspeist. Den anderen Teil hab ich jetzt am Rad dabei und freue mich sehr, nicht gleich zu Beginn Gels und sonstiges pickiges Zeug essen zu müssen.

Vor allem auf der ersten der zwei 90-km-Runden auf dem Rad erweist sich auch der Wellenstart als mühsam. 800 Männer und Frauen sind ja schon 15 Minuten vor mir gestartet und da sind auch einige sehr langsame dabei. Als relativ schlechter Schwimmer und guter Radfahrer überhole ich also nicht nur die guten Schwimmer und schlechteren Radler meiner eigenen Startwelle, sondern auch die zahlreichen deutlich langsameren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Welle, die sich in Gruppen zusammengefunden haben und gemütlich dahinrollen. Dadurch entstehen große Tempo-Unterschiede im Radfeld, und man muss höllisch aufpassen, dass man nicht übersehen wird, wenn man sich von hinten schneller nähert als von den Vorderleuten erwartet.

Auf der zweiten Radrunde beginnt es dann ein bisschen zu regnen. Das ist aber kein großes Problem – abgesehen davon, dass das Rad schmutzig wird. Zudem hat sich das Feld schon deutlich gelichtet, ich beende die 180 Rad-Kilometer in der Zeit von 4:58:42 Stunden, mehr als zehn Minuten schneller als im Vorjahr. In meiner Altersklasse rücke ich damit von Platz 148 nach dem Schwimmen auf den 31. Platz vor.

Die Reisbällchen haben sich auf dem Rad sehr bewährt, erst gegen Ende der Radstrecke habe ich auf Gels zurückgreifen müssen. Das Problem bei den Gels ist, dass man sie irgendwann einfach nicht mehr runterbringt, und je später man damit anfängt, umso länger hält man sie aus. So laufe ich also los – aufmunitioniert mit eigenen Gels für den Fall, dass ich einmal bei einer Labestelle keines erwischen sollte. Zwei der drei eigenen Gels brauche ich dann auch tatsächlich, der Rest kommt von den Helferinnen und Helfern an den Labestationen.

So geht es flott dahin, ein bisschen flotter sogar als geplant mit einem Schnitt von etwa 4:15 min pro Kilometer. Nach zehn Kilometern nehme ich bewusst ein bisschen Tempo raus, um keinen gröberen Einbruch zu riskieren, und der Kurs passt – die 9:40 sind in Reichweite.

Immer wieder werde ich auf der Strecke angefeuert. Teilweise von Zuschauern, die nur meinen Namen auf der Startnummer gelesen haben, teilweise von Freundinnen und Freunden, die sich den Ironman als Fans nicht entgehen lassen wollen. Und natürlich auch von Doris, Judith und Tanja. Jedes „Hoppauf“ bringt mich dem Ziel näher, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich auf den letzten Kilometern noch alle „Thomas-Rufer“ erkannt habe.

Bei Kilometer 25 trete ich dann in Phase 3 meines Ernährungsplans ein. Noch ein Gel und ich müsste mich übergeben, daher stelle ich auf Cola um. Das hat sich schon in früheren Rennen bewährt und tut es auch jetzt. Das Cola mit dem vielen einfachen Zucker beruhigt meinen Magen und ich laufe mit knapp unter 5 min pro Kilometer dem Ziel entgegen. Auf den letzten zwei Kilometern bemerke ich auch schon beginnende Krämpfe an den Hinterseiten der Oberschenkel. Ich werte das als Zeichen, dass ich mir das Rennen gut eingeteilt hab – denn würde ich jetzt nichts spüren, hätte ich mich wohl nicht genug angestrengt, und wirklich schlimm kann es mich zwei Kilometer vor dem Ziel nicht mehr erwischen!

Die letzten Meter sind wie schon im Vorjahr ein großartiges Erlebnis. Ich laufe durch ein Spalier von hunderten Menschen. Ich freue mich, dass die Anstrengung bald vorbei ist. Ich freue mich auf die neue Bestzeit, die mir niemand mehr nehmen kann. Mit einem Marathon von genau 3:20 Stunden überquere ich nach 9 Stunden, 35 Minuten und 35 Sekunden die Ziellinie.

Mir tut danach alles mögliche weh, aber ich habe das Gefühl, die Erschöpfung ist nicht so groß wie bei meiner Langdistanz-Premiere vor einem Jahr. Der Körper gewöhnt sich offenbar auch an solche Extrembelastungen wie 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen. Dafür lerne ich am Tag danach einen neuen Schmerz kennen – den Schmerz, ein großes Ziel knapp verpasst zu haben.

Mit Platz 14 unter den knapp 400 Finishern in meiner Altersklasse hab ich mich gegenüber dem Vorjahr nicht nur um 16 Minuten verbessert, sondern auch um neun Plätze. Trotzdem rechne ich zunächst überhaupt nicht damit, eine Chance auf einen der sechs Hawaii-Startplätze zu haben, die in Klagenfurt in meiner Klasse vergeben werden. Ich will mir die Slot-Vergabe aber nicht entgehen lassen und erlebe dort, wie einer nach dem anderen den Slot nicht nimmt. War es in den letzten Jahren stets der siebente oder achte, der sich den letzten Slot gesichert hat, so wandert der Startplatz für Hawaii heuer immer weiter nach hinten. Ein Slot ist noch übrig, als der 12. aufgerufen wird und sich nicht meldet. Unwillkürlich beginne ich jetzt doch zu hoffen, dass es sich ausgehen könnte.

Die Hoffnung währt nur kurz, denn der 13. springt mit einem „Ja!!!!“ auf und sichert sich den sechsten Hawaii- Startplatz in der Klasse M45. Wenn er wenigstens viel schneller gewesen wäre als ich, dann müsste ich nicht mit meiner mäßigen Schwimmleistung hadern. Aber es waren exakt 1 Minute und 40 Sekunden! Bei 9:35:35 Stunden verpasse ich die Qualifikation für die Ironman-WM in Hawaii um 1:40 min, um lächerliche hundert Sekunden !!!

Grrrrrrrrrrrrrrmmmmmmmmppppppppppffffffffffffffffffffffff……………………….!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Trotzdem: das Rennen war super, und ich bin dem Hawaii-Slot schon deutlich näher gekommen als im Vorjahr. Ich hab ja eigentlich gar nicht erwartet, dass mir auch der Slot so weit entgegenkommt – und das ist natürlich auch ein bisschen gemein: Zunächst verleitet mich der Slot zur Hoffnung und im letzten Moment zeigt er mir dann die lange Nase.

Aber der Weg stimmt – er führt mich weiter in Richtung Hawaii. Zunächst werde ich es im Herbst beim Ironman in Wales versuchen. Und nächstes Jahr in Klagenfurt weiß ich auch schon, dass ich im Wörthersee ein paar Minuten finden kann. Nach diesem Ironman Austria 2014 bin ich mir sicher, dass ich einen Hawaii-Slot schaffen kann – auch wenn ich nicht weiß, wie schnell das klappen wird. Gesund bleiben, fleißig weiter trainieren, Rennerfahrung sammeln. Und irgendwann gibt mir das Glück die hundert Sekunden zurück.

Hier ein toller Rennbericht von Thomas mit vielen Fotos!

Kategorisiert in: