Thomas Srb bei der 70.3 WM Zell am See

September 5, 2015 2:47 pm Veröffentlicht von

Ich muss noch lernen, die Hitze zu lieben …

Das Wetter meint es auch am 30. August gut mit mir. Schließlich bin ich ja mitten drin in der Hawaii-Vorbereitung und jedes Hitzerennen bringt mich weiter. Dass aber ausgerechnet die Ironman-70.3-WM in Zell am See ein Hitzerennen wird, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Trotzdem war es so. Und diesmal ist es schon viel besser gegangen als beim Eisenmann im Waldviertel, wo ich noch geglaubt habe, ich kann die Hitze mit Gewalt bezwingen.

Natürlich ist eine 70.3-WM ein besonderes Rennen und ich will ergebnismäßig nicht unbedingt abstinken. Andererseits liegt eben mein Hauptaugenmerk heuer auf der Langdistanz-WM in Kona, weshalb meine drei Hauptziele klar umrissen waren:

Erstens: den Umgang mit der Hitze verbessern und vom Eisenmann lernen. Das hat gut geklappt. Ich hab diesmal schon vor dem Rennen ausgiebig getrunken und bin dann nach einem unspektakulären und kontrollierten Schwimmen (31:14 min für 1,9 km) zwar zügig, aber „locker“ losgeradelt. Lediglich einen kurzen, starken Antritt hab ich mir gestattet: Die letzten zwei Kilometer Berg (von Dienten zum Filzensattel) sind nämlich echt steil. Und da hab ich mir (als mein eigener Trainer darf ich das :-)) die Freigabe zum „Knüppeln“ erteilt, was großen Spaß gemacht hat und mir den Maximalpuls dieses Rennens (171) am Rad (!) beschert hat. Dafür hab ich dann beim Runterfahren nichts riskiert, trotzdem zahlreiche „Rad-Angsthasen“ und einige pannengeplagte Radler auf Carbonfelgen überholt, aber natürlich doch ein bisserl Zeit liegen lassen.

70-3-WM Rad Thomas

Und damit hab ich auch das zweite Ziel schon erreicht: nämlich gesund die Abfahrt vom Filzensattel zu überstehen. Da sind doch einige Kehren drinnen, ein paar Kurven machen richtig schön zu, werden also immer enger. Und im Rennen inmitten anderer Triathlon-Radler hab ich mich dabei nicht wirklich wohl gefühlt. Mit meinen verkleideten Alu-Felgen war die Abfahrt dann aber kein Problem. Auf der zweiten Rad-Hälfte war mir dann wieder wichtig, das Trinken nicht zu vernachlässigen und diesmal hab ich bei der Verpflegung sehr darauf geachtet, genug zu trinken. 2:34:49 Stunden für die 90 km am Rad sind´s geworden.

70-3-WM Lauf Thomas

 

So bin ich guter Dinge zum Laufen gekommen und hab wieder versucht, locker zu bleiben. Denn das war mein drittes Ziel: mich beim Laufen nicht zu vernichten. Das ist mir gut gelungen, obwohl mein eingeschlagenes Tempo mit Fortdauer des Laufs doch ein bisschen härter geworden ist. Aber ich hab das Tempo gut halten können – im Gegensatz zu einigen anderen, die dann regelrecht eingegangen sind. Und im Gegensatz zu meinem Rennen im Waldviertel hab ich das Laufen im Griff gehabt, hab mich nicht komplett leer gerannt und bin nach 1:36:29 für den Halbmarathon ins Ziel gekommen.

 

So sind sowohl die Zeit von 4:52:40 Stunden als auch die Platzierung (47.M45) dann im Rahmen des Erwarteten gewesen, obwohl platzierungsmäßig vielleicht ein bisserl mehr drinnen gewesen wäre, wenn ich bei den Wechseln nicht getrödelt hätte und am Ende eventuell noch ein bisserl mehr aus mir herausgeholt hätte. Denn in meinem Bereich war das Feld sehr dicht und drei Minuten schneller wäre eine Verbesserung auf Platz 34 gewesen. Hättiwari – eh klar. Und man muss natürlich auch sagen, dass bei einer WM halt wirklich nur die besten AK-Athleten dabei sind, da kann ich mit dem 47. Platz (unter ca. 200 Finishern) gut leben.

Insgesamt war die 70.3-WM in Zell am See ein sehr, sehr lässiges Rennen. Man kann ja über die Firma Ironman geteilter Meinung sein, aber die Veranstaltung war sensationell aufgezogen. Viele Kleinigkeiten, die dem WM-Starter das Gefühl gegeben haben, man kümmere sich nur um ihn. Und die diversen Volunteers waren dermaßen zahlreich und gut drauf, dass ich mich gefühlt hab wie damals in Las Vegas in den USA.

Sechs Wochen nach Zell am See kommt jetzt also Kona auf mich zu. Wie schon gesagt war Zell am See auch aus Wetter-Sicht ein perfektes Vorbereitungsrennen. Ich zitiere einen hawaii-erfahrenen Deutschen aus einem Triathlon-Forum (zur Tatsache, dass die Laufzeiten der Profis vergleichsweise langsam waren): „Tatsächlich war es heute aber heißer in Zell am See als bei mancher Kona-Austragung: zwischen 37 und 38 Grad im Schatten, wobei der Großteil der Laufstrecke eben nicht im Schatten liegt und in den Gassen von Zell am See die Luft heute schlimmer gestanden ist, als am Alii Drive. Das drückt eben massiv auf die Zeiten.“

Ich habe wieder gemerkt, dass mir die Hitze doch zusetzt, aber ich habe wieder mehr darüber gelernt, wie ich mit der Hitze halbwegs zu recht kommen kann. Diese Erfahrungen helfen mir hoffentlich in Kona. Ganz sicher sogar! Beim Eisenmann hab ich die Hitze gehasst, in Zell am See hab ich sie respektiert. Und in Kona? Da muss ich noch lernen, die Hitze zu lieben.

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