Thomas Srb beim Ironman Klagenfurt

Juli 3, 2015 11:03 pm Veröffentlicht von

Ironman Austria 28. Juni 2015 – Thomas Srb

Nach dem Zieleinlauf in 9:37:05 Stunden war ich doch ein bisschen enttäuscht. Ich hab größere Verbesserungen beim Schwimmen und beim Radfahren erwartet – und auf eine persönliche Bestzeit gehofft, die ich allerdings um 1:30 min verpasst habe. Wenige Stunden nach dem Zieleinlauf und nach der ersten Ergebnis-Analyse schaut die Bilanz aber schon besser aus. Es gibt einige Punkte, die dafür sprechen, dass ich ein sehr gutes Rennen gemacht habe, obwohl ich das während des Bewerbes wirklich nicht gedacht habe.

Begonnen hat´s schon damit, dass ich um 2 Uhr früh mit Kopfweh aufgewacht bin. Hat sich so ähnlich angefühlt, wie wenn man in große Höhe geht und dann zu wenig trinkt. Also hab ich mal einen Liter Wasser reingekippt und beschlossen, das Rennen einfach Schritt für Schritt zu absolvieren und zu schauen, wie es mir dabei im Laufe des Tages so geht. Beim Startritual hat mir diesmal mein Vater geholfen, der mich erstmals zu einem Ironman begleitet hat. Neo zu und dann mit der Wasserflasche fluten, weil man bei den großen Ironman-Veranstaltungen als Nicht-Profi eigentlich keine Chance zum Einschwimmen hat.

Beim Schwimmen hat der erstmalige Wellenstart zwar dazu geführt, dass der Start recht entspannt war, allerdings ist es mit Fortdauer des Schwimmens immer mühsamer geworden. Im Lendkanal, wo sich das Feld beim Massenstart immer schon schön sortiert hatte und man einfach mit den anderen mitschwimmen konnte, sind diesmal verschiedene Wellen mit sehr unterschiedlichem Tempo zusammengetroffen. Ich bin auf Schwimmer der vorigen und der vorvorigen Welle aufgeschwommen und von hinten sind die ersten der folgenden Welle gekommen. Es waren also in meinem Bereich vier Wellen gleichzeitig im Lendkanal. Das war nicht lustig, aber nach 3,8 Kilometern und 1:06:10 Stunden vorbei, drei Minuten schneller als im Vorjahr.

Auch beim Radeln hab ich kein gutes Gefühl gehabt. Irgendwie ist es nicht so richtig gerollt und es waren wieder sehr viele Radgruppen unterwegs, durch die ich mich wühlen musste. Das hat immer wieder meinen Rhythmus gebrochen, aber immerhin hab ich heuer wirklich sehr viele Kampfrichter auf der Strecke gesehen, die sich bemüht haben, die Gruppen aufzulösen und die auch einige Strafen ausgesprochen haben. So hab ich halt getreten und getreten, und als ich dann das Ende der ersten Runde (=92 km, die zweite Runde ist kürzer) in knapp über 2:30 Stunden erreicht habe, war ich eigentlich positiv überrascht. In der zweiten Runde war auf der Radstrecke dann deutlich weniger Verkehr. Ich bin viel ganz alleine gefahren und hab auch viel Energie investiert, weil ich zumindest meine Radbestzeit verbessern wollte.

Zudem habe ich bei diesem Rennen eine Verpflegungs-strategie testen wollen, die ich mir auch für Hawaii vorgenommen habe: nämlich nur Flüssignahrung (Gels, Iso und Wasser). Ich hab eine Radflasche mit zehn Hydro-Gels befüllt, jede halbe Stunde drei Schluck = 1 Gel genommen und dazwischen Iso getrunken. Hat grundsätzlich super funktioniert – mit einer Einschränkung: Was ich oben reingekippt hab, konnte ich gar nicht alles rausschwitzen, weshalb ich schon Anfangs der zweiten Radrunde eine Pinkelpause einlegen musste, die alles in allem fast eine Minute gedauert hat.

Aber immerhin sind im Laufe des Radfahrens die Kopfschmerzen vergangen. Vielleicht hab ich während der Tapering-Woche wirklich zu wenig aufs Trinken geachtet und war ein bisschen dehydriert. Aber das war jetzt auf der zweiten Radrunde vorbei und ich hab draufgedrückt – bis zur Oberschenkelkrampfgrenze beim zweiten Mal Rupertiberg. Trotzdem war ich dann insgesamt nur knapp drei Minuten schneller als im Jahr davor. 4:55:58 Stunden für die knapp 180 Radkilometer, damit war ich nicht wirklich glücklich. Ich bin doch gefühlsmäßig deutlich härter gefahren als im Vorjahr, dafür waren die drei Minuten nur ein karger Lohn.

Nach einer weiteren Pinkelpause in der Wechselzone bin ich dann losgelaufen. Schon die ersten Schritte haben gezeigt, dass es keine gar so gute Idee war, so offensiv zu radeln, dass man schon vor dem abschließenden 42-Kilometer-Lauf „paniert“ ist. Ich hab jedenfalls beim Marathon von Anfang an ein bisschen gelitten, aber Schritt für Schritt und Gel für Gel und Wasser für Wasser und dann auch Cola für Cola bin ich dem Ziel näher gekommen. Kurz nach dem Halbmarathon musste ich dann schon wieder Wasser lassen, und wieder waren ein paar Sekunden verloren. Irgendwann war ich dann aber bei Kilometer 39 und hab noch einen ordentlichen Endspurt hinlegen können. In 3:26:49 Stunden war der Marathon keine Glanzleistung, aber wenigstens auch keine Katastrophe.

So war ich also im Ziel ein bisschen enttäuscht von meiner Leistung: 9:37:05 Stunden, 1:30 min langsamer als im Vorjahr. Und das, obwohl ich heuer sehr gut und konsequent Schwimmen und Rad-fahren trainiert habe und die Verbesserungen in diesen beiden Disziplinen auch in den Vorbereitungswettkämpfen umsetzen konnte.

Die erste erfreuliche Nachricht haben mir aber dann im Ziel Doris und mein Vater überbracht. Meine beiden größten Fans haben herausgefunden, dass ich in der AK45 unter den Top-10 bin, als Achter. Im Vorjahr war ich in meiner Klasse „nur“ 14. Ich hab also doch zumindest eine relative Verbesserung geschafft – wenn schon keine persönliche Bestzeit.

Die nächsten Stunden hab ich dann mit Ausrasten, Duschen und Ergebnis-Analysen verbracht. Und mit Pinkeln. Das hab ich wirklich noch nie erlebt, dass ich nach einem Rennen im Halbstunden-Rhythmus meine überfüllte Blase leeren muss. Mit einem halben Packerl Soletti, also mit viel Salz, hab ich dann das „Ausrinnen“ gestoppt. Wenn´s in Hawaii noch ein bisschen heißer ist, dann passt die Flüssigkeitsmenge vielleicht genau. Ich bin schon sehr gespannt.

Und dann eben noch die detaillierte Ergebnis-Analyse, die meine anfängliche Enttäuschung doch sehr relativiert hat. Die nackten Zahlen deuten darauf hin, dass ich trotz meines nicht wirklich guten Gefühls während des Wettkampfs eigentlich doch ein sehr gutes Rennen gemacht habe:

Schwimmen 1:06:10, „nur“ drei Minuten schneller als 2014, aber Verbesserung von Gesamt-Schwimm-Rang 967 auf 475!

Rad 4:55:58, ebenfalls „nur“ knapp drei Minuten Verbesserung zu 2014, aber Disziplinen-Rang 56 statt 175.

Lauf 3:26:49, sieben Minuten langsamer, aber in der Lauf-Rangliste nur neun Plätze schlechter als 2014, also 156. Laufzeit statt 147.

Gesamt 9:37:05, 1:30 Minuten langsamer als im Vorjahr, aber: Gesamtrang 96 statt 172. Und wie schon geschrieben M45-Achter statt 14. Und später hab ich dann auch noch erfahren, dass das sogar für den Hawaii-Slot gereicht hätte. Den hab ich mir allerdings ohnehin schon im Herbst in Wales gesichert.

Ich hab also im Schwimmen große relative Fortschritte gemacht, auch wenn die absolute Schwimmzeit nicht viel schneller war. Beim Radeln hab ich wirklich stark gedrückt und war in dieser Disziplin als insgesamt 56. sogar fünf Minuten schneller als der Sieger meiner Altersklasse, Alex Frühwirth. Da waren offenbar die Bedingungen wirklich schwierig, vielleicht war doch mehr Wind als gedacht. Ich hab sicher zu viel investiert – in meinem Bemühen, meine gute Radform auch in eine gute Zeit umzusetzen. Aber: no risk no fun! Und angesichts dieser Radbelastung war der Marathon dann zumindest von der Platzierung her auch sehr okay.

Was mich jetzt im Nachhinein sehr freut ist, dass ich mich von meinem schlechten Gefühl nicht runterziehen hab lassen, weiter gekämpft hab und in der Nach-Analyse festgestellt hab, dass das Rennen eigentlich gar nicht schlecht war. Die Bedingungen waren offenbar deutlich schwieriger als im Vorjahr (warum auch immer), aber ich glaube, dass knapp 3.000 Starter diese Schlussfolgerung plausibel machen und doch dafür sprechen, dass die Zahlen aus der Ergebnisliste statistisch signifikant sind. Obwohl ich mich also nicht besonders gut gefühlt hab, glaube ich jetzt doch, dass ich gute Fortschritte gemacht hab – und das perfekte Rennen will ich ohnehin erst am 10. Oktober in Kona machen.

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